Mit den Preisen erleben und lernen 2025 wurden erneut Menschen und Projekte ausgezeichnet, die sich mit Leidenschaft, Kreativität und fachlicher Tiefe in der Erlebnispädagogik und im handlungsorientierten Lernen und Begleiten in Therapie, Jugendhilfe und Pädagogik engagieren. Ihre Beiträge zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig, wirksam und gesellschaftlich relevant erlebnispädagogische Arbeit heute ist. Ausgezeichnet wurden Initiativen in den drei Kategorien Projekte, Publikationen und Person. Die Verleihung erfolgte im Rahmen des Kongresses „erleben und lernen“ am 28.März 2025.
Publikationen
1. Platz
Frauke Mangels: Individualpädagogische Perspektiven traumasensibler Jugendhilfe
Individualpädagogik ist oft eine stille, aber hochwirksame Form der Jugendhilfe – insbesondere für junge Menschen, die aus klassischen Systemen herausfallen. Frauke Mangels widmet sich in ihrer Publikation genau dieser Zielgruppe: sogenannten „entkoppelten“ Jugendlichen. Die Analyse ist tiefgründig, empirisch fundiert und zugleich praxisnah. In ihrer Arbeit, die sie neben einer vollen Lehrtätigkeit an der Ostfalia Hochschule und ohne institutionelle Förderung verfasst hat, verbindet sie wissenschaftliche Präzision mit persönlichem Engagement.
Die Studie zeigt nicht nur auf, warum individualpädagogische Maßnahmen wirken, sondern fordert auch deren strukturelle Anerkennung. Sie macht Fachkräfte sichtbar, benennt institutionelle Hindernisse und skizziert, was eine traumasensible, wirksame Jugendhilfe leisten kann. Die Jury lobte die klare Haltung, die Tiefe der Analyse und die Relevanz für Praxis, Forschung und Politik. Ein Werk, das Maßstäbe setzt – und deshalb mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurde.
2. Platz
Chiara Alba Oftring: Natur- und Erlebnistherapie bei queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Ein innovativer Blick auf ein bisher wenig beleuchtetes Thema: Chiara Alba Oftring widmet sich in ihrer Facharbeit der Frage, wie queere Jugendliche und junge Erwachsene durch Natur- und Erlebnistherapie gestärkt werden können. Entstanden ist sie in einem bewegten Jahr zwischen Deutschland, Spanien und digitalen Lernräumen – geprägt von Praxisseminaren, ersten Therapieeinheiten, Theoriephasen und viel persönlichem Engagement. Die Arbeit untersucht nicht nur die Bedarfslage dieser Zielgruppe, sondern entwickelt konkrete Handlungsempfehlungen.
Die Jury würdigt die gesellschaftliche Relevanz, die wissenschaftliche Sorgfalt und die Originalität des Themas. Die Verbindung von Identitätsarbeit, Naturerfahrung und therapeutischer Begleitung öffnet neue Räume – nicht nur in der Fachliteratur, sondern auch in der Praxis. Ein starker zweiter Platz für eine mutige Arbeit.
3. Platz
Vivi-Ann Vogel: Erlebnistherapie bei Jugendlichen mit Suchterkrankungen
Sucht und Jugend – ein schwieriges Thema, dem Vivi-Ann Vogel mit Empathie, Erfahrung und Fachwissen begegnet. Ihre Arbeit beleuchtet, wie Erlebnis- und Naturtherapie als ergänzendes Interventionsinstrument in der Suchttherapie eingesetzt werden kann. Theorie und Praxis greifen dabei überzeugend ineinander: Vivi-Ann Vogel zeigt, wie Achtsamkeit, Selbstreflexion und Naturerfahrung therapeutische Prozesse bei jungen Menschen fördern können.
Die Arbeit entstand inmitten eines bewegten Jahres mit Jobwechsel, Umzug, Fortbildungen und ersten praktischen Erfahrungen in der Therapie. Sie zeigt, wie Erlebnistherapie Jugendlichen mit Suchterkrankungen nicht nur hilft, sondern neue Perspektiven eröffnet. Besonders stark ist die Verbindung von Theorie, Praxis und konkreten Beispielen. Vivi-Ann Vogel beleuchtet Chancen wie Grenzen der Methode gleichermaßen – klar, ehrlich und fachlich fundiert. Ihre Arbeit liefert wertvolle Impulse für Fachkräfte und die Weiterentwicklung der Suchttherapie. Die Jury zeichnete diese Kombination aus fachlicher Tiefe, Praxisbezug und persönlichem Engagement mit dem dritten Preis aus.
Projekte
1. Platz
„Barrierefreies Baumhaus“ – Erlebniswerkstatt Saar e.V.
Ein Baumhaus ist für viele Kinder ein Traum. Dass es auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderung möglich ist, hoch oben zwischen den Ästen zu wohnen, beweisen Elisa Roth-Walraf und Andreas Puschnig mit der Erlebniswerkstatt Saar e.V. Seit über 16 Jahren baut das Team gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen – mit und ohne Behinderung – barrierefreie Baumhäuser. Dabei werden Räume geschaffen, in denen Selbstwirksamkeit, Mitgestaltung und gemeinsames Wachsen erfahrbar werden.
Seit 2019 sind ganze Baumdörfer entstanden, in denen gekocht, gewohnt und gelebt wird – verbunden durch Leitern, Stege und Plattformen. Es gab auch Rückschläge wie etwa durch den Borkenkäferbefall, der 2022 den Umzug an einen neuen Standort notwendig machte. Aber die Erlebniswerkstatt ließ sich nicht entmutigen, und ihr Einsatz hat sich gelohnt: 2025 wird die Arbeit in die Regelförderung des Jugendamts des Landkreises Trier-Saarburg übernommen – ein wichtiger Schritt, der eine stabile Finanzierung für die nächsten Jahre garantiert. Für diesen langen Atem, die Inklusion auf Augenhöhe und das unermüdliche Engagement verlieh die Jury den ersten Preis in der Kategorie „Projekte“.
2. Platz
„Von Mikroabenteurern zu Trekkingguides“ – Outdoor Oberberg e.V.
Wie bringt man Jugendliche dazu, das Handy aus der Hand zu legen und sich auf echte Erfahrungen einzulassen? Der Verein Outdoor Oberberg e.V. hat darauf eine ebenso alltagstaugliche wie zukunftsgerichtete Antwort: Das Projekt „Von Mikroabenteurern zu Trekkinguides“. Es richtet sich an Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren mit starkem Medienkonsum, die bisher wenig Berührung mit Outdoor-Aktivitäten hatten. Der Einstieg: ein 24-Stunden-Abenteuer, bei dem grundlegende Fertigkeiten wie Navigation, Versorgung unter einfachen Bedingungen und der Bau von Notunterkünften im Mittelpunkt stehen. Die Nacht verbringen die Teilnehmenden selbstständig unter freiem Himmel – eine prägende Erfahrung. Im nächsten Schritt geht es auf eine zehntägige Expedition nach Schweden mit allem, was dazu gehört: körperlichen Herausforderungen, Gruppendynamik, Naturerleben. Doch das Projekt endet nicht dort. Wer dranbleibt, kann sich weiterentwickeln und als Mentor:in die nächsten Gruppen in den 24-Stunden-Abenteuern begleiten. Der letzte Schritt ist dann die Ausbildung zum Trekkingguide, die befähigt, eigenständig Touren für Familien oder andere Gruppen zu leiten. Die Jury würdigte mit dem zweiten Preis ein pädagogisch fundiertes Konzept, das junge Menschen an Outdoor-Erfahrungen heranführt, sie systematisch befähigt, Verantwortung zu übernehmen und ihr Wissen weiterzugeben – und dabei konsequent auf einen bewusst langfristigen Ansatz setzt.
3. Platz
„Vom ICH zum DU zum WIR – Demokratie erleben mit Kopf, Herz und Hand!“ – EXEO e.V.
Demokratie ist kein Schulfach – sie ist ein Prozess, der erlebt werden muss. Mit dem Projekt „Vom ICH zum DU zum WIR“ setzt EXEO e.V. genau hier an. In einem fünftägigen Schulklassenprogramm erleben Jugendliche, was es heißt, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, Perspektiven zu wechseln und Verantwortung zu übernehmen. Das Programm schafft ein Lernangebot für Demokratiekompetenzen, frei vom Leistungsdruck des Schulalltags. Es fördert den Dialog, reflektiert persönliche Werte und trainiert soziale Kompetenzen, begleitet durch erlebnispädagogische Methoden.
Eine Förderung der Dräger-Stiftung in Höhe von 50.000 € hat es ermöglicht, das Angebot bereits für neun Schulklassen kostenlos bereitzustellen und Multiplikator:innenschulungen zu konzipieren, durch die das Programm in breiterer Fläche professionell umgesetzt werden kann. Die Jury würdigte besonders, dass hier Erlebnispädagogik als Bildungsauftrag mit gesellschaftlichem Anspruch gelebt wird. Ein verdienter dritter Platz!
Person
Reinhard Zwerger
In der Kategorie „Person“ wurde in diesem Jahr Reinhard Zwerger ausgezeichnet – eine Persönlichkeit, die die Erlebnispädagogik im deutschsprachigen Raum maßgeblich geprägt hat. Als Geschäftsführer der Zwerger & Raab GmbH, Mitautor zentraler Fachpublikationen, Ausbilder unzähliger Erlebnispädagog:innen, langjähriger Vorstand und aktuell Vorsitzender des Bundesverbands Individual- und Erlebnispädagogik e.V. (be) steht Reinhard wie kaum ein anderer für Integrität, Qualität und eine leise, aber klare Form von Führung. Er überzeugt durch Verlässlichkeit, Tiefgang und fachliche Klarheit.
Zahlreiche Wegbegleiter:innen schätzen seine besondere Fähigkeit, Räume für Entwicklung zu öffnen – für Teilnehmende ebenso wie für Kolleg:innen und Nachwuchskräfte. Seine Beiträge zur Entwicklung von Qualitätsstandards, Zertifizierungsverfahren und methodischer Fundierung haben das Profil der Erlebnispädagogik nachhaltig geschärft. Gleichzeitig begegnet Reinhard Menschen mit wacher Präsenz, feinem Humor und aufrichtiger Neugier. Diese besondere Mischung aus Expertise, Haltung und Menschlichkeit macht ihn zu einem Impulsgeber, der das Feld nachhaltig bereichert hat. Ein erster Preis, der kaum passender vergeben werden konnte – und wir freuen uns auf alles, was noch folgt!






